12.12.2025

Bauen am Goldküsten-Hang

An der Rebstrasse in Erlenbach erstellt die Bereuter Bau AG ein Mehrfamilienhaus mit sechs Eigentumswohnungen. An der anspruchsvollen Hanglage zählen Kompetenz, Improvisation und Tempo von A bis Z.

Kaum ist ein Schalungselement für den Liftschacht ausgerichtet und verankert, schwenkt der Kran bereits das nächste heran. Im eingespielten Zusammenspiel mit dem Kranführer richten die Bauleute auch dieses präzise aus, schieben Gewindestäbe ein, setzen Muttern an. Alles geht Schlag auf Schlag.

In hohem Tempo entsteht in Erlenbach über dem Zürichsee ein Mehrfamilienhaus mit sechs Eigentumswohnungen. Für Bauführer Micha Lattmann und Polier Bruno Brunner zählt jeder Tag: «Wir haben nur sechs Monate Zeit für den Rohbau mit technischen Herausforderungen und auf sehr engem Raum», sagt Lattmann. «Wir müssen also Vollgas geben und dabei flexibel bleiben, um diesen Sprint zu schaffen», ergänzt Brunner.

Herausforderungen von unten …

Als die Hochbauer im Juni auf den Platz kamen, zeigte sich rasch: Der Start würde schwierig werden. Beim Erstellen der Kanalisationsgräben stiess das Team sofort auf Felsen. Das verzögerte die Arbeit und erforderte aufwendige Graben- und Auffüllarbeiten. Zudem war die Baugrube im Vorfeld nicht plangetreu erstellt worden. Statt planer Flächen fanden sich markante Unebenheiten. Das hatte weitreichende Folgen. «Wegen der engen Platzverhältnisse und der steilen Hanglage mussten wir die Aussenwände über alle Geschosse hinweg einhäuptig direkt an den Grubenabschluss heranschalen und betonieren», sagt Lattmann. Das sei ohnehin anspruchsvoll, und werde zur echten Herausforderung, wenn der Abschluss nicht den Plänen entspreche.

«Wir mussten deshalb viel Zeit in Ausgleichsarbeiten investieren », schildert Brunner. Statt der vorgesehenen 20 Zentimeter Dämmung zwischen Erdreich und Aussenwand wurden stellenweise 35 bis fast 50 Zentimeter nötig, inklusive aufwendiger Spitzarbeiten. Besonders eng wurde es beim hangseitigen Liftschacht, der bis ins Dachgeschoss führt: «Nur mithilfe zusätzlicher Abtragungen und einer auf das Minimum reduzierten Dämmung konnten wir den Schacht normgerecht betonieren.»

… bis oben

Neben den Aussenwänden verlangte auch der übrige Baukörper aufwendige Schalungs- und Betonierarbeiten sowie viel Flexibilität. Im Untergeschoss fällt die Decke mit zahlreichen Absätzen und kaum einem rechten Winkel auf. Gegen oben hin weist jedes Geschoss einen eigenen Grundriss auf. «Wir können die Erfahrungen aus den unteren Etagen also nicht nutzen, um schneller zu werden. Wir müssen uns auf jede Decke neu einstellen», erklärt Lattmann.

Zudem kragen die Decken mit jeder Etage weiter aus. Um sie zu schalen, musste ein durchdachtes Spriesskonzept ausgearbeitet werden, welches diese Arbeiten überhaupt ermöglicht. In diesem Wald aus Spriessen fallen V-förmige Stahlstützen im Bereich der künftigen Balkone auf. «Sie einzubauen, machte die ohnehin komplexe Deckenschalung noch anspruchsvoller», sagt Brunner.

Die Liftschächte und Treppenhäuser bilden die einzige Konstante im Gebäude. Doch auch hier war Feinarbeit gefragt: Vorgefertigte gewendelte Treppenelemente mussten millimetergenau in die schmalen Schächte eingefädelt werden. «Beim ersten Element zahlten wir Lehrgeld, danach gelang es, ohne dass sie die Elemente verklemmten», erzählt der Polier.

Zum Zeitpunkt des Baustellenbesuchs im November war die halbe EG-Decke betoniert. Rund vier Wochen blieben, um die Dachgeschosswände zu mauern, die restlichen Lift- und Erschliessungskerne und schliesslich die letzte Decke zu betonieren. In diesen Tagen bringt die Gruppe einen Rohbau im Schnellzugtempo zum Abschluss, der sich dafür eigentlich nicht eignet. «Dass es uns trotz Verzögerungen, Platzknappheit und verschiedenen bautechnischen Herausforderungen gelingt, termingerecht abzuschliessen, zeigt vor allem die Leistungsfähigkeit und Erfahrung unserer Leute», sagt Lattmann.

Im Anschluss an die letzte Decke wird Polier Brunners Team noch Sichtbeton-Stützmauern für die Umgebungsgestaltung erstellen. Aus Platzgründen können sie erst gebaut werden, wenn Kran und Baucontainer abgeräumt sind. Für das Betonieren wird das Team daher auf eine Betonpumpe oder einen mobilen Kran ausweichen müssen: also improvisieren und Gas geben, wie schon im ganzen Projekt.