17.09.2025

Der Fels in der Zahlenbrandung

Seit 27 Jahren sorgt Florian Kurth dafür, dass die Buchhaltung der Bereuter-Gruppe zuverlässig und korrekt geführt wird. Seit seinem Antritt hat sich im Unternehmen vieles verändert. Flo ist seiner Funktion treu geblieben.

Pult, Regale, Aktenschränke – und in der Ecke ein Ventilator, der später an diesem heissen Junitag noch gute Dienste leisten wird: Das Büro von Florian Kurth wirkt ebenso pragmatisch wie sein Nutzer. Ein Blickfang ist der massive Tresor an der Wand, so schwer, dass ihn Schwarzenegger selbst in jungen Jahren nicht weggetragen hätte. Ohnehin liege nicht viel Wertvolles darin, sagt Florian Kurth, den im Unternehmen alle Flo nennen. Aber der Tresor macht unmissverständlich klar: In diesem Raum geht es ums Geld!
Seit 27 Jahren führt Flo die Buchhaltung der Bereuter-Gruppe und ihrer mittlerweile zehn operativen und nicht operativen Gesellschaften. Von den Rechnungseingängen, über Zahlungsflüsse bis zu Quartals- und Jahresabschlüssen liegt alles in seiner Verantwortung. Die Zahlenflut, die andere ins Schwitzen bringt, lockt ihn nicht aus der Reserve: «Weil sie klaren, logischen Regeln folgt, ist Buchhaltung im Kern eine einfache Geschichte. Und dass viele lieber gar nichts damit zu tun haben, macht sie für mich umso interessanter », sagt er und lacht verschmitzt.

Auf Umwegen zur Buchhaltung 

In seiner Jugend war Flo lange unschlüssig, welchen Weg er einschlagen sollte. Die Primarschule meisterte er mühelos mit Glanznoten, im Langzeitgymnasium lernte er auf die harte Tour, dass es ohne Einsatz nicht weitergeht. Am Wirtschaftsgymi erkannte er schliesslich, dass ihn weitere Jahre als Gymnasiast und Student nicht reizen. So begann er eine kaufmännische Lehre in einem Treuhandbüro. Dort kam ihm das Wissen aus dem Gymnasium zugute, und er absolvierte die Ausbildung mit Leichtigkeit und Erfolg. «Ich bin ein eher fauler Mensch, das war ich schon immer», sagt Flo offen. Die Erfahrungen im Gymnasium seien aber sicher heilsam gewesen.
Nach dem Lehrabschluss wechselte Flo zu einem anderen Treuhandbüro, wo er sieben Jahre blieb. Über Freundschaften mit den Töchtern des damaligen, langjährigen Finanzchefs der Bereuter-Gruppe kam er Ende der 1990er-Jahre in Kontakt mit dem Unternehmen. Als eine Nachfolge für die Buchhaltung gesucht wurde, holte der CFO Flo im August 1998 in die Firma. Dies mit der Perspektive, dereinst sein eigener Nachfolger zu werden.
In den folgenden Jahren bestätigte sich: Die Buchhaltung liegt Flo. Aber CFO werden wollte er – anfängliche Gelüsten zum Trotz – doch nicht. «Ich wollte bei dem bleiben, was ich mit Routine und Erfahrung gut kann: bei der Basisbuchhaltung. Die strategische und analytische Arbeit eines CFO schreckte mich eher ab. Ich arbeite lieber im Stillen und erarbeite die Zahlenbasis, auf der andere aufbauen können», sagt er.

Weiter bis zum Schluss 

Flos Arbeit ist geprägt von Fachkenntnis, Erfahrung und einem tiefen Verständnis für alle Geschäftszweige der Bereuter-Gruppe. Den Verzicht auf die CFO-Verantwortung hat er bei jeder Vakanz der letzten 20 Jahre bekräftigt – und würde es auch künftig tun. «Mir passt meine Funktion, und mir gefällt die Kultur in der Unternehmung. Am liebsten möchte ich in den gut zehn Jahren bis zu meiner Pensionierung einfach so weitermachen», sagt er.
Trotz seiner zurückhaltenden Art hat Florian Kurth das Unternehmen in den vergangenen 27 Jahren wesentlich mitgeprägt. Gleich nach seinem Eintritt 1998 führte er beispielsweise das Online-Banking ein. In einer Zeit, in der Zahlungsanweisungen noch per Post oder persönlich bei der Bank eingereicht wurden, bedeutete das einen radikalen Wandel. Und für die Bereuter-Gruppe ein früher Schritt in Richtung Digitalisierung.
Auch die Wachstums- und Reorganisationsjahre, die Marco Bereuter als neuer Inhaber nach der Jahrtausendwende einläutete, begleitete Flo als verlässlicher Zahlenmann, der trotz stetig wachsenden Zahlen kaum aus der Fassung zu bringen ist. «Ich bin wirklich stressresistent. Nach 27 Jahresabschlüssen für alle Firmen, über 100 Quartalsabschlüssen und abertausenden Zahlungsbewegungen weiss ich einfach: Am Schluss geht es immer auf», sagt er. Die Einführung der digitalen Rechnungsverarbeitung im Jahr 2021 unterstützte er von Beginn an. Die zusätzliche Transparenz durch digitale Prozesse sieht er positiv. «Man erkennt schneller, wo etwas hakt. Das hilft uns und auch unserer Revisionsstelle.» Auch privat hängt Flo nicht am analogen Geldfluss. «Ich zahle seit Jahren fast nur noch bargeldlos. Das ist einfach viel bequemer», sagt er.

Emotionen im Sport 

Während Buchhalter Flo durch Ruhe und Gelassenheit auffällt, ist es der Sport, der in Privatmann Flo die Emotionen weckt. In seiner späten Jugend bei einem ZSC-Spiel im Hallenstadion mit dem Fan-Virus infiziert, lebt er seine Leidenschaft seit Jahren als treuer Anhänger des FC Zürich aus. Bei Heimspielen steht er mit Gleichgesinnten in der Südkurve. Auch die Auswärtsspiele nimmt er konsequent auf sich. Das zeitintensive Hobby war für Flo Grund genug, sein Pensum auf 90 Prozent zu reduzieren. «Nach einer langen Auswärtsfahrt bin ich jeweils froh um einen freien Montag alle zwei Wochen», sagt er.
Dass die Südkurve immer wieder mit negativen Schlagzeilen verbunden wird, will Flo weder beschönigen noch mitverantworten. «Mich spricht das Fanwesen als soziales Gebilde an. An den Spielen treffe ich meine beiden Schwestern und Freunde, um uns auszutauschen und der gemeinsamen Leidenschaft zu frönen.» Dass es in dieser Massenbewegung negative Auswüchse gebe, lasse sich leider kaum verhindern. Seinen Stehplatz würde er deswegen nicht aufgeben. Ein Wechsel vom Steh- auf den Sitzplatz kommt für ihn erst in Frage, sollte in Zürich irgendwann ein neues Fussballstadion gebaut werden.
Wie beim Zürcher Stadionbau dürfte auch im Buchhaltungsbüro der Bereuter-Gruppe in den kommenden Jahren alles beim Alten bleiben. Dies sehr zur Freude jener, die Flos Verlässlichkeit schätzen. Dazu gehört auch sein neuer Chef, CFO Thomas Brühlmeier. Wie seine Vorgänger kann er darauf zählen, dass Flo die Gruppe und deren Unternehmungen in- und auswendig kennt.