24.06.2025
Eine Grube fürs Puurehuus
Das Projekt «Puurehuus-Wermatswil» kombiniert die Umnutzung von historischer Bausubstanz mit einem zweiteiligen Wohnungs-Neubau. In der Ausführung spannen alle Firmen der Bereuter-Gruppe zusammen. Die Bereuter Baugrubentechnik AG erstellt die Baugrube für den Neubauteil.
Maschinist Miguel millimetert den Ausleger des Baggers an die Flucht der mit Holz ausgefachten Rühlwandträger heran. Sein Kollege Antonio weist ihn mit klaren Handzeichen ein. Gemeinsam bringen sie einen langen Stahlträger in Position, der als sogenannte Longarine eingebaut wird. Sie sorgt dafür, dass die Rühlwand zur Baugrubensicherung verstärkt wird. Kaum liegt der Träger auf den vorbereiteten Auflagern, überprüft Miguel dessen Position mit dem GPS-Messgerät. Als er den Daumen in die Höhe streckt, beginnt Schlosser Silvan damit, die Konstruktion zu verschweissen. «Hämmer guet gmacht!», ruft Miguel und schwingt sich wieder in die Baggerkabine.
Auf dem Parkdeck über der Baugrube steht Fabian Simione, Bauführer der Bereuter Baugrubentechnik AG. Er verfolgt die laufenden Arbeiten und telefoniert wegen der Abfuhr des letzten Rests chemisch belasteten Aushubs. Eine unerwartete Herausforderung, die in der Vorwoche zu einem kurzen Baustopp geführt hatte. «Wir rechneten mit mineralischen Verschmutzungen in den alten Auffüllungen. Das ist bei Grubenarbeiten im Siedlungsbereich nichts Ungewöhnliches. Die chemische Verunreinigung aber kam überraschend», erklärt Simione. Nachdem man sie bemerkte, wurde der begleitende Geologe beigezogen, der das Material beprobte und festlegte, wie viel Material gesondert abgeführt werden musste. Ein paar Tage später war die Abfuhr erledigt und die Arbeiten konnten wie geplant fortgesetzt werden.
Der Platz ist knapp
Das BGT-Team ist seit März damit beschäftigt, die Baugrube für den Neubauteil des Gesamtprojekts «Puurehuus-Wermatswil» zu sichern und auszuheben. Der Landgasthof aus dem späten 19. Jahrhundert wird saniert und zum Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen umgebaut. Ergänzend dazu entsteht über den früheren Innenhof und hoch zum einstigen Parkdeck ein zweiteiliger Wohn- Neubau, der die bestehende Tiefgarage umschliesst. Gesamthaft entstehen 18 Wohnungen vom Studio bis zum Hausteil mit 7.5 Zimmern. Bauherrschaft ist ein Konsortium, dem auch die Bereuter Immobilien AG angehört.
Die Grube für den Neubauteil erstreckt sich über den Innenhof und zieht sich zwischen Gasthof und Tiefgarage hindurch. «Glücklicherweise reichen die an die Grube angrenzenden Gebäudeteile tief, so dass wir sie nur punktuell unterfangen müssen», so Simione. Im Bereich des Innenhofs ist es die teils nach innen abgestützte und teils freitragende Rühlwand, welche die Grube sichert. «Technisch gesehen ist das Projekt keine Hexerei», sagt der Bauführer. Der Untergrund sei tragfähig, und es trete nur wenig Hangwasser auf. Die Logistik aber sei anspruchsvoll, da die Zufahrt eng und der Platz knapp sei. Diesen knappen Platz teilt man sich zudem mit den Umbau-Kollegen, die im alten Gasthof bereits am Werk sind.
Zugabe im Keller
Wenn alles planmässig läuft, ist die Baugrube bis Ende Mai fertiggestellt. Dann übernimmt der Hochbau. Doch für das BGT-Team ist das Projekt damit noch nicht ganz abgeschlossen. Im Juli kehrt es nochmals zurück – ins Innere des alten Landgasthofs. Dann nämlich, wenn der älteste Gebäudeteil komplett entkernt ist und unterkellert wird. In jener Phase werden Hoch-, Tief- sowie Umbau-Teams der Bereuter- Gruppe gleichzeitig auf der Baustelle arbeiten – alle unter einem denkmalgeschützten Dach sozusagen.
