23.09.2026
Elektrisch unterwegs
Seit Juni ist der erste Elektro-LKW der Bereuter AG im Einsatz. Der Mercedes-Benz eActros 600 überzeugt mit Reichweite und Fahrkomfort, stösst im anspruchsvollen Baulogistikalltag aber auch an seine Grenzen.
Auf dem Waschplatz des Bereuter Werkareals glänzt der neue Mercedes- Benz eActros 600. Chauffeur Hausi Flück spritzt mit der Lanze die Spuren des Tages vom auffällig gestalteten Sattelzug. Hausis Begeisterung für sein neues Dienstgefährt spürt man sofort. «Es ist schlicht grossartig, mit dem eActros unterwegs zu sein», sagt er. Anfänglich habe man herausfinden müssen, was mit dem Elektro-LKW im Alltag anders funktioniert als mit einem Dieselfahrzeug. «Seither macht es nur noch Spass!» Seit Anfang Juni gehört der Mercedes- Benz eActros 600 mit Schwarzmüller- Sattelkipper zur Flotte. Es ist der erste Elektro-LKW der Bereuter AG. Entsprechend aufmerksam verfolgt Bereuter, wie er sich im täglichen Einsatz bewährt. Die erste Bilanz fällt positiv aus. «Besonders die Reichweite hat uns überrascht. Denn mit zunehmender Erfahrung kommen wir mit einer Ladung noch weiter als erwartet», sagt Remo Künzle, Leiter Logistik der Bereuter AG. Sämtliche bisherigen Tagestouren konnten ohne Zwischenladen absolviert werden. Über Nacht wird der eActros jeweils wieder vollständig geladen.
Die Reichweite war bereits bei der Evaluation im vergangenen Herbst zentral. Die Bereuter AG testete damals Elektro-Sattelzugmaschinen von Mercedes-Benz und Scania. Mit einer Akkuladung schaffte der eActros beladen zweimal die Fahrt nach Basel und zurück. Diese Strecke ist wichtig, weil die Bereuter AG Altbelag nach Basel transportiert. Neben der Reichweite sprachen die kürzere Lieferfrist und der hohe Fahrkomfort für den Mercedes-Benz.
Vorteile und Grenzen
Der zusätzlich in die Flotte aufgenommene eActros wird unter anderem für Werk-zu-Werk-Transporte mit Komponenten und Entsorgungsmaterialien eingesetzt. «Solche Fuhren entlasten die restliche Flotte, die sich damit voll auf das Tagesgeschäft konzentrieren kann. Gleichzeitig sparen wir Fremdfuhrhalterkosten und LSVA-Gebühren, von denen E-LKW bis 2031 befreit sind», sagt Künzle. Allerdings gibt es auch für den eActros Grenzen. Bei trockenen Verhältnissen lässt sich der eActros sehr gut einsetzen. Auf steilen Baustellen, in Gruben oder Deponien wird es bei Nässe anspruchsvoll. Als 4x2-Sattelzugmaschine verfügt er nur über eine angetriebene Achse und hat damit Traktionsnachteile gegenüber dreiachsigen Fahrzeugen mit zwei angetriebenen Achsen. «Diese Einschränkung war uns bewusst. Hausi sammelt nun Erfahrungen und lotet die Grenzen aus», sagt Künzle.
Auf der Strasse spielt der Elektroantrieb dagegen seine Stärken aus. Der eActros ist deutlich leiser als ein Diesel-LKW, die Leistung steht unmittelbar und gleichmässig zur Verfügung. Hinzu kommen eine komfortable Kabine, verschiedene Assistenzsysteme für mehr Sicherheit und eine Standklimatisierung, mit der sich der Innenraum vorkühlen oder vorheizen lässt.
Skepsis und Begeisterung
Im Chauffeuren-Team stiess die Idee eines Elektro-LKW anfänglich auch auf Skepsis. Bedenken gab es vor allem bei der Reichweite sowie der Gruben- und Baustellentauglichkeit bei Nässe. «Mit Hausi und Berat testeten zwei Chauffeure die Fahrzeuge, die offen für das Thema waren und besonders auf die kritischen Punkte achteten», sagt Künzle. Nach einigen Monaten Praxiseinsatz zeigt sich: Einige Chauffeure möchten als Nächstes ebenfalls einen E-LKW übernehmen, andere bleiben überzeugte Diesel-Fans. Hausi jedenfalls würde seinen eActros nicht mehr hergeben, wie er auf dem Waschplatz betont.
Der erste eActros dürfte nicht der einzige Elektro-LKW der Bereuter AG bleiben. Weitere Beschaffungen sind geplant. Allerdings eignet sich die Technik noch nicht für jeden Einsatz und jede Fahrzeugart. Insbesondere im Nahverkehr mit Welaki- und Hakenfahrzeugen sieht Künzle grosses Potenzial. Der eActros liefert der Bereuter AG wertvolle Erfahrungen.
