12.06.2026
STABÜBERGABE IM WERKHOF
Nach fast 20 Jahren hat Martin Truninger die Leitung des Bereuter-Werkhofs an Raphael Meier übergeben. Im Gespräch erzählen die beiden, warum der Werkhof eine zentrale Drehscheibe der Bereuter Gruppe ist und weshalb auf dem Bau auch unter Druck vor allem eines zählt: die gute Zusammenarbeit.
Diesen Frühling ist deine «Ära» als Leiter Werkhof der Bereuter Gruppe zu Ende gegangen. Ein fröhlicher oder ein trauriger Moment für dich?
Martin: Die Übergabe an Raphael ist für mich klar ein fröhlicher Moment. Ich habe keine Mühe damit, diese Verantwortung abzugeben. Und ich freue mich, dass ich meine Zeit als Leiter des Bereuter-Werkhofs gut abschliessen konnte.
Bis zu deinem 60. Geburtstag im Jahr 2028 bleibst du dem Bereuter-Werkhof als stv. Leiter erhalten. Hast du einen solchen stufenweisen Abgang seit längerem geplant?
Martin: Nein, nicht wirklich. Eigentlich war vorgesehen, dass mein früherer Stellvertreter meine Funktion übernimmt, wenn ich pensioniert werde. Als er das Unternehmen verliess, musste CEO Adrian Thomann die Situation neu beurteilen. Ich sagte ihm damals, dass ich bereit wäre, schon vor der Pensionierung einen Schritt zurückzumachen. So gäbe es sofort Platz für einen neuen Leiter. Das passte gut, denn zu diesem Zeitpunkt stand Adrian mit Raphael Meier in Kontakt, meinem heutigen Nachfolger.
Du, Raphael, hast vor dem Wechsel zur Bereuter Gruppe bereits einen grossen Werkhof geleitet. Wie hast du den Start hier erlebt?
Raphael: Ich habe mich mit meiner Werkhof-Erfahrung schnell zurechtgefunden. Der Bereuter-Werkhof ist gut organisiert, die Abläufe funktionieren. Entsprechend angenehm war es, hier einzusteigen und Verantwortung zu übernehmen. Dies umso mehr, als Martin als erfahrener Vorgänger noch da ist und ich ihn im Alltag jederzeit etwas fragen kann. Insgesamt war es für mich ein super Start. Und ich merke nach den ersten Monaten, dass ich mich immer besser zurechtfinde.
Martin: Das ist tiefgestapelt (lacht). Raphael fand sich schon nach der ersten Woche erstaunlich gut zurecht. Man merkte sofort, dass er es gewohnt ist, einen Werkhof zu leiten.
Raphael: Auch wenn sich die Leute und die administrativen Systeme unterscheiden, ist die Bauerei im Grundsatz überall ähnlich. Man arbeitet mit vergleichbaren Geräten und Materialien, folgt ähnlichen Prozessen und verfolgt ähnliche Ziele. Für mich ist es spannend, einen neuen Werkhof kennenzulernen. Aber ich entdecke dabei keine völlig neue Welt.
Du, Martin, hast die Leitung des Bereuter-Werkhofs vor fast 20 Jahren übernommen. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Martin: Als ich zur Bereuter Gruppe kam, war das Unternehmen und damit auch der Werkhof noch deutlich kleiner. Im Hochbau gab es damals vielleicht drei Poliere. Entsprechend wurden viel weniger Baustellen betrieben als heute. Ich war dann eng dabei, als die Bereuter Baugrubentechnik AG aufgebaut und mit den nötigen Maschinen und Geräten ausgestattet wurde. Später kam mit der Übernahme der Baur & Cie AG ein spezialisierter Umbau-Bereich hinzu. Insgesamt waren es sehr lebhafte 20 Jahre. Das Unternehmen ist stark gewachsen, hat sich laufend weiterentwickelt und sich auch personell immer wieder verändert.
Wie hast du den Einzug der Computer erlebt?
Martin: Diese Entwicklung kam zum Wachstum des Unternehmens noch hinzu. Als ich hier anfing, gab es in meinem Büro weder einen Computer noch einen Laptop. Die Poliere und Bauführer brachten ihre handgeschriebenen Bestellungen persönlich vorbei oder legten sie in die entsprechenden «Fächli». Irgendwann kam dann der erste Computer. Und heute läuft ohne Mail, digitale Listen und Werkhof-Software praktisch nichts mehr. Rund 90 Prozent der Bestellungen erhalten wir inzwischen per Mail. Ein beharrlicher Rest kommt weiterhin kurzfristig telefonisch oder persönlich rein.
Mit welchen Vorsätzen und Zielen übernimmst du dieses «Erbe», Raphael?
Raphael: In meiner Startphase konzentriere ich mich bewusst darauf, den Werkhof, die Firmen und insbesondere die Menschen kennenzulernen, mit denen ich zu tun habe. Grundsätzlich glaube ich, dass die Drehscheibenfunktion des Werkhofs innerhalb der Bereuter Gruppe noch gestärkt werden kann. Aktuell führe ich entsprechende Gespräche mit den Geschäftsführern. Ich will die wichtigste Funktion des Werkhofs stärken: die operativen Firmen mit guten Dienstleistungen zu unterstützen und zu entlasten.
Bei Werkhof- und Logistikthemen dürfte die Digitalisierung das zentrale Stichwort sein. Wie blickst du darauf und in welche Richtung willst du sie entwickeln?
Raphael: Das hängt stark von den Systementscheiden der Gruppenführung ab. Ich kenne aus meiner früheren Tätigkeit beispielsweise den Ansatz, sämtliches Material, das der Werkhof ausgibt, als Mietware direkt auf die jeweilige Baustelle zu verrechnen. Das bedeutet zwar mehr administrativen Aufwand, schafft aber eine hohe Kostentransparenz. Ob man diesen Weg gehen will, muss die Gruppenleitung entscheiden. Für mich sind grundsätzlich verschiedene Ansätze denkbar. Klar ist für mich aber, dass die Kommunikation hauptsächlich digital laufen soll.
Wie forcierst du das?
Raphael: Wie Martin erwähnt hat, gibt es bis heute einen festen Anteil an telefonischen und persönlichen Bestellungen. Das versuche ich zu ändern. Wenn mich jemand anruft, darf er mir sein Anliegen zwar gerne schildern. Zum Schluss werde ich aber immer sagen: «Schick mir die Bestellung noch kurz per Mail.» Dann habe ich sie schwarz auf weiss vor mir.
Wie haben die Leute in den Firmen auf den neuen Werkhofleiter reagiert?
Raphael: Sehr positiv. Verschiedene Leute aus der Bereuter Bau AG kannte ich bereits von früheren Zusammenarbeiten. Und auch mit den neuen Kolleginnen und Kollegen fand ich schnell einen guten Draht.
Wie würdest du den Stellenwert des Werkhofbetriebs für eine funktionierende Bau-Gruppe beschreiben?
Raphael: Als Werkhof einer Gruppe mit mehreren operativen Firmen sind wir Dreh- und Angelpunkt des Unternehmens. Wir müssen sicherstellen, dass das benötigte Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, damit die Kollegen auf den Baustellen gut arbeiten können. Denn das ist der entscheidende Punkt: Als Werkhof verdienen wir kein Geld. Geld verdienen die Kollegen draussen auf den Baustellen. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei bestmöglich zu unterstützen.
Wird euer Einsatz von den operativen Firmen und den Bauteams entsprechend geschätzt?
Raphael: Ich habe schon das Gefühl, dass unsere Arbeit geschätzt wird. In der Bereuter Gruppe weiss man, dass der Erfolg nur durch das gute Zusammenspiel aller Beteiligten entsteht. Wir geben uns grosse Mühe, unsere Aufgaben verlässlich auszuführen und benötigtes Material pünktlich bereitzustellen. Und wenn einmal etwas nicht klappt, dann muss man halt miteinander reden und gemeinsam Lösungen finden. Auch das gehört zu einer guten Zusammenarbeit.
Wie wird bei Bereuter mit Material umgegangen?
Martin: In den 20 Jahren, die ich als Werkhofleiter erlebt habe, hat sich der Umgang mit Material schon verändert. Früher trug man dem Material mehr Sorge, putzte und pflegte es besser. Material war damals im Verhältnis auch teurer.
Raphael: Gleichzeitig ist der Zeitdruck auf den Baustellen massiv gestiegen. Heute ist oft viel wichtiger, wie schnell die Arbeiten abgeschlossen werden können, als ob eine Schaltafel etwas mehr oder weniger kostet. Häufig zieht der Polier bereits zur nächsten Baustelle weiter, sobald die letzte Decke betoniert ist. Für den Abschluss der Baustelle ist dann jemand anderes zuständig, der dafür wiederum eigenes Material braucht. Das führt zu einem immer schnelleren Hin und Her. Darunter leidet sicher der Umgang mit dem Material.
Martin: Die Schnelllebigkeit ist enorm. Wir haben auch schon an einem Mittwoch den Zuschlag für einen Auftrag erhalten und mussten am Freitag bereits mit 200 Laufmetern Absperrgittern auf den Bauplatz fahren. Solche Situationen sorgen immer wieder für Druckphasen mit hohem Stresspegel.
Raphael: Gleichzeitig sind genau solche Situationen auch Chancen, um sich als Werkhof-Team auszuzeichnen. Wenn wir auch unter Druck gute Lösungen finden und schwierige Dinge möglich machen, stärkt das unsere Stellung im Unternehmen. Und ehrlich gesagt: Es macht ja auch Freude, solche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
Welches waren für dich als Leiter die zwei, drei schlimmsten Erlebnisse, Martin?
Martin: Das hängt davon ab, was man als «schlimm» empfindet: Unangenehm ist es immer, wenn Bestellungen oder Transporte untergehen. Solche Fehler lassen sich im hektischen Werkhof-Alltag nie ganz vermeiden. Entscheidend ist dann, offen zu kommunizieren und alles daran zu setzen, den Fehler möglichst rasch wieder auszubügeln. Wirklich hängen geblieben sind mir aber vor allem menschliche Ereignisse. Besonders traurig war der Tod eines langjährigen Poliers, der mit erst rund 47 Jahren während der Skiferien an einer Lungenembolie starb. Und natürlich war auch der Tod von Heiri Bereuter vor zwei Jahren ein einschneidender Moment.
Hast du schon Werkhof-Peinlichkeiten produziert, die du bei Bereuter unbedingt vermeiden möchtest?
Raphael: Natürlich versuchen wir, Fehler möglichst zu vermeiden, im Wissen darum, dass das im hektischen Baualltag nie vollständig gelingt. Am häufigsten kommt es wohl vor, dass Bestellungen untergehen oder etwas vergessen geht. Entscheidend ist dann eine schnelle und transparente Kommunikation.
Martin: Ich habe bei Raphael sofort gemerkt, dass er kommunikativ sehr stark ist. Während ich in Druckphasen manchmal noch nervös werde, bleibt er ruhig und beruhigt damit auch das Gegenüber. Gleichzeitig sucht er sofort nach guten Ersatzlösungen. Und sagt auch klar und ehrlich, wenn etwas nicht möglich ist.
Raphael: Früher war ich sicher impulsiver. In den vergangenen Jahren habe ich aber gelernt, ruhiger zu reagieren. Nach meiner Erfahrung ist das in den meisten Situationen zielführender und auch für mich selbst viel angenehmer.
Was motiviert dich für diesen Job, Raphael?
Raphael: Ich habe das Bereuter-Team als sehr tatkräftig und kollegial kennengelernt. In einem solchen Umfeld motiviert es mich, einen guten Beitrag zu leisten. Gleichzeitig sehe ich Potenzial, den Werkhof noch effizienter und noch stärker zur zentralen Drehscheibe des Unternehmens zu machen. Das treibt mich an.
Wie erlebst du als langjähriger Werkhof-Leiter deine neue Rolle als Stellvertreter?
Martin: Ich freue mich auf die bevorstehenden zwei Jahre. Und ganz ehrlich: Ich bin auch froh, dass ich gewisse Aufgaben nicht mehr übernehmen muss. Quali-Gespräche mit den Leuten waren für mich beispielsweise immer schwierig. Ich bin ein kollegialer Typ und tat mich manchmal schwer damit, unangenehme Dinge direkt anzusprechen.
Raphael: Mir ist wichtig, dass man ehrlich miteinander redet, auch dann, wenn etwas nicht passt. Wenn das im Alltag gelingt, werden auch die Quali-Gespräche einfacher. Dann spart man sich die unangenehmen Themen nicht bis zum offiziellen Gespräch auf.
Welche Ratschläge würdest du Raphael mit auf den Weg geben, Martin?
Martin: Raphael braucht keine Ratschläge von mir. Er bringt selbst viel Erfahrung mit, im digitalen Bereich mehr als ich. Und weil überall ähnlich gebaut wird, muss ich ihm keine grossen Vorträge halten.
Raphael: Ich kann es nur wiederholen: Ich bin froh darum, kann ich bei Martin die nächsten zweieinhalb Jahre immer wieder Dinge fragen und «abluege». Das ist u huere schön.
