13.06.2024

Pietro baut um

Pietro Pellegrinelli, Vorarbeiter Baur & Cie AG, steht seit gut 20 Jahren bei Bereuter unter Vertrag. Der Routinier wurde schon in jungen Jahren mit dem Umbau-Virus infiziert.


Anfang April war die Reihe an Pietro Pelligrinelli. Der Vorarbeiter der Baur & Cie AG durfte im Saloon der Bereuter-Gruppe mit Kolleginnen und Kollegen auf sein 20-jähriges Dienstjubiläum im Unternehmen anstossen. «Der Anlass hat mich schon stolz gemacht», sagt Pietro ein paar Wochen später in einem Gespräch. Er sitzt auf einer Holzbank im Innenhof einer Siedlung in Fehraltdorf. Drei Mehrfamilienhäuser werden in einem eng getakteten Zeitplan generalsaniert. Die Stimmung ist hektisch. Pietro lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. «Es ist nicht selbstverständlich, dass man es irgendwo 20 Jahre aushält. Und auch nicht, dass man mich 20 Jahre aushält», sagt er.

Als Pietro 2004 als Kundenmaurer zur damaligen Bereuter AG stiess, hätte er sich nicht träumen lassen, für den Rest seiner beruflichen Karriere im Betrieb zu bleiben. Davor war er acht Jahre lang als Abdichter kreuz und quer in der ganzen Schweiz unterwegs, lebte unter der Woche oft in Hotelzimmern in der Nähe der Arbeit. Nachdem er geheiratet hatte und der erste von zwei Söhnen zur Welt gekommen war, wollte er sesshafter werden, um präsent sein zu können. «Es begann ein neuer Lebensabschnitt. Aber ich musste zuerst herausfinden, ob und wie das für mich funktioniert», sagt er. Abgesehen davon sei man in früheren Jahren als Neuankömmling in Bauunternehmungen nicht immer mit offenen Armen empfangen worden. Alteingesessene hätten oft Angst gehabt, dass ihnen neue Kollegen den Rang ablaufen könnten. Heute sei dieses Verhalten nicht mehr so ausgeprägt. Und heute ist Pietro selbst einer der Alteingesessenen. «Aber einer, der gegenüber neuen Mitarbeitern sehr offen ist», betont er.

Schicksalsschlag zum Lehranfang

Pietros Eltern kamen aus Norditalien in die Schweiz. Der Vater – ein Holzfäller aus Bergamo – hatten sein Glück mit ein paar Brüdern in Frankreich gesucht, bevor er 1955 in die Schweiz einwanderte. Er heuerte bei einer italienisch geführten Bauunternehmung in Oetwil am See an und liess sich dort nieder. Fünf Jahre und eine Hochzeit später durfte seine Ehefrau nachreisen. 1967 kam Pietro zur Welt.

Als Jugendlicher nahm sich dieser den Vater zum Vorbild und ging auf den Bau. Er begann seine Maurerlehre in der gleichen Firma, in der auch sein Vater arbeitete. Kaum angefangen, ereignete sich jedoch eine Tragödie. Vater Pellegrinelli, mittlerweile als Gerüstbauer im Unternehmen tätig, stürzte bei der Arbeit in den Tod. Pietro war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt. Trotz Schicksalsschlag blieb er in der Firma und führte seine Lehre weiter. «Der Tod meines Vaters war eine schlimme Erfahrung», sagt Pietro. «Gleichzeitig führte das Ereignis auf seltsame Weise dazu, dass ich mich fortan praktisch vor nichts mehr fürchtete. Ich habe eigentlich vor nichts Angst!»

Nach dem Lehrabschluss wechselte er nach Rapperswil, wo eine Glarner Baufirma sich Ende der 1980er Jahre anschickte, in der Grossregion Zürich Fuss zu fassen. Pietro übernahm schnell viel Verantwortung. Schon als 20-jähriger Maurer ohne Kaderweiterbildung konnte er den Umbau von denkmalgeschützten Wohnbauten in Rapperswil in die eigenen Hände nehmen. Die Faszination für den Umbau, mit der er sich dabei infizierte, lies ihn bis heute nicht mehr los. «Ich schätze die Vielfalt der Themen- und Arbeitsbereiche, die im Umbau zu berücksichtigen und auszuführen sind. Und es reizt mich, dass man im Umbau laufend mit Herausforderungen überrascht wird, die man flexibel und fachkundig bewältigen muss», erzählt er.

Nach ein paar Jahren machte er sich als Maurer-Akkordant selbständig, bevor er sich in Gossau erneut fest unter Vertrag nehmen liess, weitere Umbauten realisierte und an seiner Karriere arbeitete. Er absolvierte die Vorarbeiterschule und nahm alsbald die Polierschule in Angriff. Noch im ersten Jahr der Polierschule wurde jedoch seine Firma geschlossen und musste er die Weiterbildung abbrechen. Im weiteren Verlauf seiner Karriere übernahm er laufend Polierfunktionen, blieb aber dem Titel nach Vorarbeiter. Nach einem Intermezzo als Temporärer heuerte er 1996 als Abdichter bei einer schweizweit aktiven Firma an und ging beruflich auf Tournee. Das passte in den 1990ern auch zu seiner Freizeitgestaltung: Pietro war als DJ und Partyveranstaltung in der Region auf Achse. «Das Leben unterwegs entsprach mir. Gleichzeitig wusste ich, dass ein solches Leben auf Dauer nicht die gute und gesunde Lösung sein kann», erinnert er sich. Als er die Familie gründete, machte er sich bei Bereuter sesshaft und gab auch sein Hobby als DJ und Partyveranstalter auf.  

Eine berufliche Heimat

Über einen Cousin, der davor schon im Unternehmen gearbeitet hatte, kam er 2004 in Kontakt mit der Bereuter AG. Er stellte sich vor, wurde als Kundenmaurer eingestellt und kümmerte sich fortan um kleinere und grössere Umbauvorhaben. Nach ein paar Jahren wechselte er intern zur akquirierten Piai AG, nachdem 2011 auch die Baur & Cie AG aufgekauft und als Umbau-Spezialist positioniert wurde, wurde sie zu Pietros neuer beruflichen Heimat.

Neben seiner Arbeit als versierter Umbau-Profi ist Pietro seit der Jahrtausendwende Mitglied der kantonalen Berufsprüfungskommission und nimmt als Prüfungsexperte praktische Lehrabschlussprüfungen von Maurer-Lernenden ab. Er tut dies als Arbeitnehmervertreter in der paritätischen Kommission. «Es macht mir Freude, in dieser Form einen Teil zur Berufsbildung und damit zur Zukunft der Branche beizutragen », sagt Pietro. Ebenso spannend sei, dass er in dieser Funktion ein sehr breites Netzwerk zu Arbeitnehmervertretern sowie Baukaderleuten aus dem ganzen Kanton habe knüpfen können. Als pragmatisches Gewerkschaftsmitglied ist Pietro kein Schreihals, hat aber dennoch ein kämpferisches Herz. Branchentendenzen wie der laufend steigende Zeit- und Kostendruck bekümmern ihn. Gleichzeitig hat er Mühe mit der heutigen Ausrichtung der Gewerkschaften. «Ich bin seit 35 Jahren Mitglied, aber ich identifiziere mich nicht damit», fasst Pietro zusammen.

In gut drei Jahren geht er in den Ruhestand. Pietro freut sich darauf. «Ich finde, ich habe bis dahin genug gearbeitet. Es darf ein weiterer neuer Lebensabschnitt beginnen», sagt er. Fixe Pläne oder Ziele hat er nicht. Mit seiner polnischen Frau wird er womöglich in deren Heimatland ziehen, wo die Familie vor ein paar Jahren einen Hof aufkaufen konnte. «Bauern werden wir nicht. So viel steht fest. Aber ich mache mir keine Sorgen: Uns wird schon etwas in den Sinn kommen», sagt er.