12.12.2025
Wie Umweltschutz Alltag wird
CO2-angereicherter Beton, Elektrotrucks, Nistkästen und der Umgang mit Heizungen in Baucontainern. Eine Runde mit Peter Herrmann zeigt, wie die Bereuter-Gruppe mit vielseitigen und alltagsnahen Massnahmen den Spagat zwischen Leistungsfähigkeit und Umweltschutz schafft.
Dicker Herbstnebel liegt über dem Bereuter-Werkareal in Hegnau, als Peter Herrmann auf den Platz fährt. Er parkiert sein E-Auto rückwärts und schliesst es an die Ladestation an. Der Akku kann einen Schub gebrauchen, denn für den Projektleiter Umwelt und Strategie der Bereuter-Gruppe steht heute ein «Unterwegs-Tag» an. Helm, Leuchtweste und Sicherheitsschuhe liegen im Kofferraum bereit.
Die Rolle eines Umweltverantwortlichen ist in mittelgrossen Bauunternehmungen keine Selbstverständlichkeit. Doch sie passt zur traditionellen Familienunternehmung, die von der Projektentwicklung bis zur Ausführung und Logistik fast die ganze Baukette abdeckt. «Mit Wurzeln, die über 350 Jahre zurückreichen, gehört es zu unserem Selbstverständnis, das Unternehmen so zu entwickeln, dass es Bestand hat. Dazu gehört, dass wir uns mit Nachhaltigkeitsthemen beschäftigen und laufend in die nachhaltige Entwicklung investieren », sagt Adrian Thomann, CEO der Bereuter-Gruppe. Umweltschutz und Ressourcenschonung seien deshalb keine Randnotizen im Leitbild, sondern Teil des Bereuter-Alltags. Die Stationen von Peter Herrmanns Arbeitstag geben einen Einblick.
Warme Container, kalte Fakten
Die Nebelsuppe hält sich, als Herrmann im Büro seine Mails fertig bearbeitet hat, sich abmeldet und aufbricht. Er fährt nach Erlenbach, wo ein Hochbau-Team unter Polier Bruno Brunner ein Mehrfamilienhaus erstellt. Auf der Baustelle kreischt eine Tischfräse, es hämmert, der Kran hievt ein Schalelement über den Rohbau. «Bei Auftragsbauten legt die Bauherrschaft die grossen umweltrelevanten Aspekte fest, also die Materialisierung des Bauwerks oder die eingesetzte Gebäudetechnik», erklärt Stefan Keller, Geschäftsführer der Bereuter Bau AG. «In den Bereichen, die in unserer Verantwortung liegen, suchen wir gezielt nach Umweltpotenzialen und Effizienzgewinnen.»
Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Heizung der Büro- und Mannschaftscontainer. «Die Heizlüfter in den wenig isolierten Containern sind im Winter die grössten Stromverbraucher », sagt Herrmann. Er ist im Rahmen seiner regelmässigen Umwelt-Audits in Erlenbach, um den Polier zu sensibilisieren und eine neue Zeitschaltuhr für die Elektroheizung vorbeizubringen. Vor Ort erklärt er wie jedes Jahr die wichtigste Heizregel: «Schliesst Fenster und Türen, wenn die Heizung läuft. Sonst geht die Wärme verloren, die wir mit viel teurem Strom erzeugen. » Herrmann spricht kollegial. «Umweltmassnahmen funktionieren am besten, wenn die Leute die Zusammenhänge verstehen», sagt er, als er wieder ins Auto steigt.
Umweltauflagen und mehr
Nächster Halt ist eine Baustelle der Bereuter Baugrubentechnik AG (BGT) in Uster. Auch hier wirft Herrmann einen Blick auf die Zeitschaltuhren und erinnert die Mannschaft an die Heizregeln. Das Thema spricht er in den Wintermonaten praktisch auf jeder Baustelle an, die er besucht.
Dieses Jahr zeigte sich im Tiefund Spezialtiefbau mehrfach, dass Umweltschutz nicht nur Effizienz bringt, sondern auch Zeit und Geld kosten kann. Mehrere Rückbauten in der Stadt Zürich mussten wochenlang unterbrochen werden, weil sich Brutvögel eingenistet hatten. An anderen Orten verzögerten sich Aushubarbeiten, weil im letzten Moment kontaminierte Böden gefunden wurden, die separat abgeführt und behandelt werden mussten. «Uns betreffen weniger Umweltwünsche der Bauherrschaften, sondern vor allem ungenügende Vorabklärungen, die durch kommunale und kantonale Vorgaben schliesslich zu Verzögerungen und Baustopps führen», sagt Reto Müller, Geschäftsführer der BGT. Die behördlichen Vorgaben seien vielfältig. Sie reichen vom Umgang mit invasiven Neophyten oder invasiven Käfern und Ameisen bis zu detaillierten Vorgaben bei Arbeiten im Grundwasserbereich. «Trotzdem versuchen wir, darüber hinaus weitere Potenziale auszuloten», sagt Müller. So setze man beispielsweise wo immer möglich Recycling-Baustoffe ein, selbst wenn dies von der Bauherrschaft nicht explizit verlangt werde. Sehr zur Freude von Peter Herrmann: «Wenn auf einem Bauplatz Betonrückbau anfällt und wir das rezyklierte Material unmittelbar für die Erstellung der Baugrube nutzen können, schliessen wir auf sinnvolle Weise Materialkreisläufe und schonen Ressourcen und Umwelt», erklärt er.
Initiativen im Multipack
Zurück in Hegnau drückt inzwischen die Herbstsonne durch. Herrmann läuft hoch zum Recyclingplatz, wo sich Kies, Granulate und Rückbaumaterialien türmen. Lastwagen bringen und holen Material, Radlader verteilen es weiter. Seit diesem Sommer steht hier die neue CO₂-Speicheranlage. Sie sorgt dafür, dass Betongranulat mit CO₂ aus der benachbarten Biogasanlage angereichert und dauerhaft gebunden wird. «Das ist unsere aufwendigste Umweltmassnahme der letzten Zeit, aber nicht die einzige», sagt Alan Meister, Geschäftsführer der Bereuter AG.
Eine weitere Massnahme mit grosser Wirkung ist die Umstellung auf den Zement JURA ECO3 für alle Bereuter-Betonsorten. Durch die Nutzung von kalziniertem Ton sinkt der CO₂-Ausstoss der Betonproduktion um rund 20 Prozent. Das bei gleichbleibender Qualität und zum selben Preis.
Auch im Transportbereich bewegt sich viel. Diesen Herbst testete die Bereuter AG zwei Elektrolastwagen im Baustellenalltag und prüft nun eine Anschaffung für 2026. Die bestehenden Diesel-Lastwagen sind alle von der neuesten Generation und fahren auf Kundenwunsch mit HVO100, einem erneuerbaren Treibstoff aus hydriertem Pflanzenöl. Mit dessen Einsatz kann der CO2 Ausstoss des Transports um 85 Prozent reduziert werden.
«Es sind viele kleine und grosse Schritte, die zusammen die Entwicklung ausmachen, die wir anstreben», sagt Herrmann. «Wir wollen am Markt kompetitiv bleiben und gleichzeitig unseren CO₂-Fussabdruck so weit wie möglich senken.» Dass diese Haltung im Unternehmen verankert ist, erlebt er mittlerweile im Alltag. Auf dem Weg zurück zeigt er auf ein Plakat für den bevorstehenden Raclette-Plausch, dieses Jahr mit einem Fachvortrag zum Schwammstadt-Prinzip, dem nachhaltigen Umgang mit Regenwasser im städtebaulichen Kontext. «Sogar beim Schlemmen reden wir mittlerweile über Umweltthemen », sagt Herrmann und lacht.
Boden gutgemacht
Am Nachmittag fährt der Umweltverantwortliche nach Luckhausen. Dort zeigt er ein Bauprojekt der anderen Art: ohne Beton, Mauerwerk oder Baukräne. Am Waldrand hinter dem Weiler sieht man nur noch: rekultivierten Boden. Hier hat die Bereuter Bodenaufwertung AG diesen Herbst ein Projekt auf 26‘000 Quadratmetern abgeschlossen. «In Zusammenarbeit mit der BGT und der Bereuter AG haben wir in vier Jahren das Terrain mit sauberem Aushub neu modelliert und über 26‘000 Kubikmeter Boden aufgetragen. 15‘000 Kubikmeter dieser wertvollen, nicht künstlich herstellbaren Ressource wurden von externen Baustellen zugeführt und wiederverwertet. So konnte eine landwirtschaftliche Fläche mit eingeschränkter Nutzungseignung zu einer Fruchtfolgefläche aufgewertet werden, die gut zu bewirtschaften ist und langfristig Ertrag abwirft», erklärt Herrmann. In anderen Projekten erstellt die Bereuter Bodenaufwertung AG naturnahe Flächen und Trockenwiesen. «Solche Naturschutzflächen realisieren wir häufig in Kombination mit Altlastensanierungen und schaffen damit Mehrwert für die Natur», so Herrmann. Kleine Zeichen, grosse Wirkung Zurück auf dem Werkareal glitzern die Solarpanels in der tiefstehenden Sonne. Herrmann geht noch einmal über das Areal und zeigt, wo diesen Herbst neue Nistkästen für Vögel und Fledermäuse montiert wurden. Auf seine Initiative hin haben Lernende und Mitarbeitende der Bereuter-Gruppe gemeinsam mit der Naturschutzorganisation IGLU Volketswil das Projekt umgesetzt. «Es ist eine kleine Massnahme, die grosse Freude macht», sagt Herrmann. «Denn wenn wir uns in gemeinsamen Projekten engagieren, wird Umweltschutz zu einem lebendigen Teil unserer Kultur.»
